Archiv für den Monat Januar 1970

Der arme Heinrich

Donnerstag, 01. Januar 1970

Ein ritter so geleret was,
daz er an den buochen las,

[...]

Er las daz selbe maere,
wie ein herre waere
ze Swaben gesezzen:
an dem enwas vergezzen
deheiner der tugent
die ein ritter in siner jugent
ze vollem lobe haben sol.
man sprach do nieman also wol
in allen den landen.
er hete ze sinen handen
geburt unde richeit:
ouch was sin tugent vil breit.
swie ganz sin habe waere,
sin geburt unwandelbaere
und wol den vürsten gelich,
doch was er unnach also rich
der geburt und des guotes
so der eren und des muotes.

Sin name was gnuoc erkennelich:
er hiez der herre Heinrich
und was von Ouwe geborn.
sin herze hate versworn
valsch und alle dörperheit
und behielt ouch vaste den eit
staete unz an sin ende.
ane alle missewende
stuont sin ere und sin leben.
im was der rehte wunsch gegeben
von werltlichen eren:
die kunde er wol gemeren
mit aller hande reiner tugent.
er was ein bluome der jugent,
der werltvreude ein spiegelglas,
staeter triuwe ein adamas,
ein ganziu krone der zuht.
er was der nothaften vluht,
ein schilt siner mage,
der milte ein glichiu wage:
im enwart über noch gebrast.
er truoc den arbeitsamen last
der eren über rücke.
er was des rates brücke
und sanc vil wol von minnen.
alsus kunde er gewinnen
der werlte lop unde pris.
er was hövesch unde wis.