Zurück zur Sache

Dass besonders vor Wahlen Versprechungen gerne mal vollmundiger klingen, als das, was dabei dann hinterher heraus kommt, schmeckt; das sollte inzwischen jedem aufgeklärten Bürger klar sein. In gewisser Weise ist das ja sogar ein wenig legitim, und wenn wir ehrlich sind, dann gehen wir im persönlichen Umfeld gelegentlich ähnlich vor, wenn wir Freunde zu ihrem (bzw. unserem) Glück überreden. Also ist das auch kein Grund, sich wirklich aufzuregen.

Aufregung sollte eher dann entstehen, wenn führende Mitglieder einer Partei, in letzter Zeit der SPD, davon ausgehen, dass wir brennend auf die Beantwortung der Frage warten, ob eben diese Partei grundsätzlich mit einer anderen Partei, der Linken, eine Koalition eingehen würde. - Zumal sich hier beide Parteien sogar dem gleichen Lager zurechnen lassen müssen.

Erstens fragen wir uns da, warum sollten sie denn nicht koalieren? Und warum sollten sie sich zweitens überhaupt vor der Wahl darauf festlegen? Und Drittens: Warum sollten wir das dann glauben? Und zuletzt stellt sich auch die Frage: Wie wirkt sich das auf mich, den Bürger, aus? Werde ich anders wählen? Und wenn, macht das in diesem Zusammenhang einen Unterschied?

Eigentlich deutet die ganze Debatte doch eher darauf hin, dass die Damen und Herren Genossen nicht selbstbewusst genug sind, sich von einem Tabu zu distanzieren, das ihnen der politische Gegner aufzwingt. Oder vielleicht sind sie gerade dabei?

Vielleicht wäre allen mehr geholfen, wenn man sich in politischen (und auch journalistischen) Kreisen weniger mit sich selbst, und mehr mit den anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben befassen würde. Wenn man dabei dann erfolgreich sein sollte, wird man das immernoch rausposaunen können. - Dann klingt das auch besser.

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