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Manifest des Tourismus’

Sonntag, 06. Januar 2008

Wir sind Touristen
und bereisen diese bunte Welt. Wir wollen Grenzen überschreiten, uns die anderen Orte ansehen und das Fremde mit der Heimat vergleichen. Wir wollen die Ahnung, die wir von der Fremde haben, an der Wirklichkeit erproben.

Wir sind Touristen,
wir wollen all das Schöne sehen: Die historischen Monumente, die Natur, die Landschaften, die technischen Errungenschaften, die Abenteuer der großen Städte, die Rätsel der kleinen Orte, die Ruhe auf dem Lande.

Wir sind Touristen,
wir wollen pilgern zu den gepriesenen Orten des Tourismus in Europa, Afrika, Asien, Indien, Amerika und Australien. Wir wollen etwas mitnehmen von all unseren Reisen. Die Souvenirs, die wir kaufen und mit unsnehmen, machen die Welt zu einem Teil unseres Lebens. Sie befördern die Durchmischung der Welt: Das ist unsere touristische Entropie.

Wir sind Touristen,
wir wollen uns erzählen lassen, sehen, riechen, schmecken, mit allen Sinnen erfassen. Wir haben nur wenig (Frei)zeit, um das Alles zu genießen, und wissen, dass wir es nicht vollends verstehen werden. Darum müssen wir uns mit einem einfachen Bild begnügen, das wir dann euch daheim Gebliebenen auf Postkarten und in Short-Messages zuschicken und in Bildern, Filmen, Liedern und Geschichten schenken können. Vereinfachte, ungenügende Geschenke, die eine Sehnsucht ausdrücken sollen, die doch eigentlich viel größer ist.

Wir sind Touristen,
unsere große Sehnsucht ist angefüllt mit der Hoffnung auf den neuen Genuss, auf die Schönheit, auf Erfüllung. Es ist die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, nach der Lösung unserer großen Rätsel und nach neuen Rätseln, nach uns selbst und die Sehnsucht danach die Grenze zwischen unserem Alltagsleben und all den Möglich-, Unendlich- und den Ewigkeiten dieser bunten Welt zu übertreten.

Wir sind Touristen,
wir wollen uns freuen, wo immer wir auch sind, wann immer man uns freundlich begrüßt. Und wenn es nur unser Geld ist, das uns willkommen macht, dann wollen wir uns beschränken. Und wenn es Klischees sind, die mit unserem Land verbunden sind, dann wollen wir es ignorieren und bei Gelegenheit des Bild erweitern. Und wenn wirklich wir gemeint sein sollten, dann wollen wir uns wundern, und von diesen Menschen lernen, denn wer tritt anderen schon so offen entgegen und geht so großmütig auf Fremde zu? - Wir nicht.