Mit ‘Stadt’ getaggte Artikel

Brockdorff Klang Labor: Frohe Schritte

Sonntag, 16. März 2008

Jeder Stern wird ein Haus, jedes Haus eine Stadt. -

Wir fahren nach Leipzig hinein. Ein klarer, windiger Dezember-Samstag dämmert, der Himmel dunkelt blau, das Radio im Auto ist an. Ich höre diese klare, zauberhafte Stimme singen; dieses unbekannte, schöne Lied, das von Vereinigung im Tanz und Entrückung durch Musik erzählt. Genau das habe ich selber vor einigen Tagen in einem rauchigen Keller erlebt, mit dieser besonderen Frau, mit ihrem roten Drahthaar und dem heftigen oberschwäbischen Dialekt, mit der ich nun wieder auf dem Rücksitz vereint bin, nach unserem Ausflug, der uns eine Zeit trennte.

Wir stehen an der Ampel einer großen Kreuzung. Ich schaue zu ihr hinüber. Eines abends sind wir betreut Trinken gegangen, und danach hat sie meine Hand ergriffen. - Jetzt zieht sie ihre Hand weg und schaut aus dem Fenster.

An einem Morgen bald danach sind wir wieder entzweit.

(Von Brockdorff Klang Labor ist im September 2007 das erste Album “Mädchenmusik” erschienen.)

Fledermausland

Dienstag, 11. März 2008

“Wir können hier nicht anhalten, das ist Fledermausland.” Mit diesem Satz aus der Verfilmung von “Fear and Loathing in Las Vegas” ist der Name auf mich gekommen, der dieses Land bezeichnet: Fledermausland. Es ist das Land in dem man bleibt, wenn man früh Kinder bekommen hat und glaubt, in der Verlorenheit, aber dafür immerhin daheim, glücklich werden zu können. Es ist das Land aus dem man flieht, wenn man jung ist und noch was vor hat, aus dem man gehen muss, wenn man nicht zu den Übrig-Gebliebenen gehören will.

Hier lebt man zwischen verfallenden Häusern unter leeren, kalten Dachstühlen aus denen Fledermäuse flattern. Man muss die Verantwortung für den Zustand dieses Landes ablehnen, um es hier aushalten zu können. Und weil sich darum kaum jemand verantwortlich fühlt, manifestiert sich die Situation immer weiter. Da helfen selbstverständlich auch die wenigen Motivierten nicht, die es hier und da gibt, die entweder aus Eitelkeit handeln, oder nach kurzer Zeit von denjenigen, die aus Eitelkeit handeln, so ausgenutzt werden, dass sie ihre Bemühungen einstellen müssen, um nicht ihre ganze Zeit und Energie zu verschwenden. - Oder sie gehen irgendwann, wie die anderen, um nicht übrig zu bleiben.

Eine Stadt mit zwei Gesichtern liegt in diesem Land. Ein inneres Gesicht und ein äußeres. Das innere Gesicht mit seinen zusammengekniffenen Augen, die vor allem im Winter ihre Bewohner böse anstarren. Und das äußere Gesicht, mit den strahlenden Augen, mit dem sie zwinkernd, gerne in der Saison, Gäste zu betören sucht. Damit sie sich ein Zimmer nehmen für die Nacht; die Nacht im Fledermausland.